Edward Gibbons Araber: Herkunft, Bedeutung und Wirkung im Kontext des europäischen Orientbildes der Spätaufklärung
Jürgen Krämer / Hagen 1998 /
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Nach Glasnost und der Auflösung des Sowjet-Systems im modernen Weltsystem0, das seit dem 16. Jahrhundert ein europäisches ist und spätestens im 19. Jahrhundert ein kapitalistisches wurde, läßt sich auf politisch-ökonomische Weise die westliche Feindbildproduktion1 von dorther kaum noch befruchten. Es ist daher nicht erstaunlich, daß ein religiös-kultureller Weg beschritten wird, auf dem "der Orient", "der Araber" und "der Islam" wieder ins Visier geraten, womit Fragen nach der europäischen, d.i. westlichen Wahrnehmung dieses "Orients" auch in geschichtlicher Perspektive aktueller kaum sein könnten. Im Folgenden soll die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts am Beispiel Edward Gibbons daraufhin untersucht werden, wodurch diese Wahrnehmung in der Periode der Aufklärung spezifisch gekennzeichnet war, wobei die Frage nach der Besonderheit des Beitrags Gibbons zum abendländischen Arabienbild den roten Faden liefert auf dem Gang durch den verwirrenden Komplex vielfältiger und widersprüchlicher Zusammenhänge, den allerdings fast jedes größere historische Thema aufwirft.
Eingangs will ich nicht mehr als den materialen Gehalt von Gibbons "The Coming of Islam"-Kapitel sowie dessen Stellung innerhalb des gesamten Epos´ vom "Decline and Fall of the Roman Empire" referieren. Fast von selbst drängt sich dabei der literarische Kontext im spätaufgeklärten Europa auf: Die verschiedenen Erfindungen von Orientalen, Muslimen, Arabern (neben Gibbon tragen -nur z.B.- Gallands 1001 Nacht, Beckfords Vathek, Voltaires Mahomet, Mozart, Puccini oder auch Lady Montagu dazu bei) zwischen "Sarazenen" und "Türken", aber auch Edlen Wilden und Indianern; Um einen genaueren Begriff von Gibbons "Arabern" zu gewinnen, ist unabweisbar der politische Kontext im Zentrum des britischen Empire vor seinem historischen Hintergrund zu berücksichtigen: dem Siebenjährigen "Weltkrieg", den Problemen mit unruhigen Kolonien (Amerika, Indien, Irland), der französisch-revolutionären Herausforderung und v.a. Gibbons eigene Stellung in politischer Hinsicht. In einem dritten Schritt müssen wir den scheinbar unpolitischen Literaten, der als Historiker des Römischen Reiches unsterblich wurde, kritisch in einen geschichtswissenschaftlichen Kontext einordnen, um Wert und Wirkung seiner "Araber" und seines "Decline and Fall" insgesamt zu erfassen. So erscheint ein Punkt erreichbar, von dem aus unter fremdwahrnehmungstheoretischen Aspekten die zeitgenössische wie die langfristige Leistung Gibbons untersucht und ihre Herkunft, Bedeutung und Wirkung abschließend beurteilt werden kann.
Zitiert wird dabei aus 3 verschiedenen Ausgaben von Gibbons History, nämlich den Editionen Lows (Teil 1), Dawsons (Teil 2) und Hutchins´ (folgende), wo möglich auch aus der einzig verfügbaren deutschsprachigen -gekürzten- Ausgabe des Greno-Verlags, in der -unter vielem anderen- auch das relevante 50.Kapitel fehlt. Das unterstreicht nebenbei Scheibes wohl immer noch gültiges Diktum "Von deutscher Gibbon-Forschung kann man nicht sprechen."2 - ein Fakt, der das Entstehen der vorliegenden Arbeit nicht eben begünstigte.

Die Araber...haben in Armuth und Verachtung geschmachtet, bis
Mohammed diesen wilden körpern die Seele des Enthusiasmus einhauchte.* 

1.Im Werk selbst 

Zunächst ist klarzustellen, daß "The History of the Decline and Fall of the Roman Empire" und ihr Autor nicht wegen des 50. Kapitels "The Coming of Islam" weltberühmt wurden (und es bis heute geblieben sind), sondern wegen der großartigen Konzeption einer Universalgeschichte als Triumph von Barbarei und Religion über die aus eigener Schuld geschwächte und degenerierte Bürgerrepublik, die zeitgenössisch überdies eine exakt bestimmbare Funktion ausfüllte. Eingebettet in diesen Zusammenhang kommt Gibbons Arabern (und später den Türken) im Osten eine den Barbaren des Westens vergleichbare Rolle als unverweichlichte und glaubenssichere Totengräber Roms respektive Konstantinopels zu. Freilich spielen sie diese Rolle in spezifischer Weise, unterschieden nicht nur von Goten und Germanen, Tataren oder Türken, sondern auch vom tradierten Bild des `Sarazenen´3, zu dem Gibbon eine deutliche Distanz verrät: "The Arabian tribes were confounded by the Greeks and Latins under the general appellation of Saracens, a name which every Christian mouth has been taught to pronounce with terror and abhorrence."4 (654) Gibbon zeichnet ein differenzierteres Bild, das v.a. durch die historisch objektivierende Anordnung und die Einordnung in sein Großmodell innovativ ist und neue Akzente setzt. In nuce: "Mahomet, with the sword in one hand and the Koran in the other, erected his throne on the ruins of Christianity and of Rome. The genius of the Arabian prophet, the manners of his nation, and the spirit of his religion, involve the causes of the decline and fall of the Eastern empire;" (649)
Die Wüstensöhne
Den 3 Faktoren -prophet, nation, religon- gemeinsam ist der geoklimatische Ursprung: die Wüste, "this scene of misery" (651) und natürliche Heimat des Pferds, des Kamels, des Nomadentums, "a life of danger and distress" (652). Unabhängigkeit, soldatische Tugenden und wahre Mannhaftigkeit kennzeichnen den unter solchen Bedingungen Aufgewachsenen: "His speech is slow, weighty, and concise; he is seldom provoked to laughter, his only gesture is that of stroking his beard, the venerable symbol of manhood" (655) Er ist persönlich frei, z.B. "if the Arabian princes abuse their power, they are quickly punished by the desertion of their subjects, who had been accustomed to a mild and parental jurisdiction." (654) Und im Kollektiv "the nation is free, because each of her sons disdains a base submission to the will of a master." (655) Die Entbehrungen der Wüste und "the seperation of the Arabs from the rest of mankind" haben gleichermaßen spezifische "ideas of stranger and enemy" geformt, insbesondere auch das Bewußtsein, "the rich and fertile climates were assigned to the other branches of the human family; and that the posterity of the outlaw Ismael might recover, by fraud and force, the portion of inheritance of which he had been unjustly deprived." (655) Zum Räuber kommt der Rächer: "In private life every man, at least every family, was the judge and avenger of its own cause. The nice sensibility of honour...sheds its deadly venom on the quarrels of the Arabs: the honour of their women, and of their beards, is most easily wounded." (656) Städte, Handel, Gastfreundschaft, Großmut, kultureller Austausch milderten aber den "spirit of rapine and revenge", z.B. "the distant or hostile tribes resorted to an annual fair...30 days were employed in the exchange, not only of the corn and wine, but of eloquence and poetry." (657) Die ursprüngliche Religion der Araber "consisted in the worship of the sun, the moon, and the fixed stars" (658), in diesem Rahmen allerdings bemerkenswert flexibel: "Each tribe, each family, each independent warrior, created and changed the rites and the object of his fantastic worship" (659), "each Arab was free to elect or to compose his private religion." (661)
Einer dieser solchermaßen Freigeborenen war Mahomet aus dem Stamm der Koreish, einziger Sohn von Abdallah und Amina, geboren 570 in Mekka, mit 25 verheiratet mit der reichen Witwe Cadijah. Sehr detailliert nacherzählt Gibbon den Werdegang des zunächst nur im kleinen Kreis -quasi privat- missionierenden Arabers, den erst die erzwungene Flucht nach Medina mit 40 in die Prophetenrolle gleichsam nötigt. Die Parallelen zum in die Wüste geschickten biblischen Ismael liegen, ohne daß Gibbon dies explizit nennt, auf der Hand.
Der arabische Prophet
Hier erst nimmt der genius of the arabian prophet zum Koran das Schwert: "In the state of nature5 every man has a right to defend, by force of arms, his person and his possessions;...Mahomet, in the exercise of a peaceful and benevolent mission, had been despoiled and banished by the injustice of his countrymen" und erklärt so den "War against the Infidel" (678) ursprünglich den Koreish. "The Arab continued to unite the professions of a merchant and a robber; and his petty excursions for the defence or the attack of a caravan insensibly prepared his troops for the conquest of Arabia." (679) Diesen beschreibt Gibbon dann auch in der für sein gesamtes Werk typischen militärstrategischen Ausführlichkeit gepaart mit epischer Fabulistik, ein Beispiel: "But the friendship of Heraclius and Mahomet was of short continuance: the new religion had inflamed rather than assuaged the rapacious spirit of the Saracens (hier sind die syrischen, nicht die moslemischen Araber gemeint); and the murder of an enemy afforded a decent pretendence for invading, with three thousand soldiers, the territory of Palestine, that extends to the eastward of Jordan." (686) Hervorzuheben ist jedenfalls die historisch-objektivierende Rationalisierung des Siegeszugs Mahomets, den -bei aller religiösen Inspiration- der Feldherr und seine begeisterte Armee mit militärischen Mitteln vollzogen. Im Rahmen der History entfällt damit aber auch eine -womöglich teuflische- Sonderrolle in religiöser Hinsicht.
Konsistenterweise zeichnet Gibbon `the character and private life of Mahomet´ ebenso rational vor dem Hintergrund des biographischen, sozialen, politischen (d.i. in erster Linie: feldzugsdynamischen) und historischen Kontexts. Heraus kommt ein von Verklärung wie Verteuflung gleich weit entferntes Porträt Mahomets als sendungsbewußtem militärisch-politischem Führer einer in Allah geeinten und relativ gleichgestellten Bruderschaft. "Of his last years ambition was the ruling passion...", so greift Gibbon das Negativbild Mahomets (nicht zuletzt reproduziert bei Voltaire6, wenngleich in generell antireligiöser Absicht) seiner Zeit auf, um es historisch zu erhellen, "the sins of Mahomet may be allowed as an evidence of sincerity. In the support of truth, the arts of fraud and fiction may be deemed less criminal...The decree of Mahomet, that, in the sale of captives, the mothers should never be seperated from their children, may suspend, or moderate, the censure of the historian." (690) Gibbon hält eine Fülle weiterer Beispiele bereit:
The good sense of Mahomet despised the pomp of royalty; the apostle of God submitted to the menial offices of the family; he kindled the fire, swept the floor, milked the ewes, and mendled with his own hands his shoes...Perfumes and women were the two sensual enjoyments which his nature required, and his religion did not forbid...(>The heat of the climate inflames the blood of the Arabs) Polygamy was reduced to four legitimate wives...If we remember the seven hundred concubines of the wise Solomon, we shall applaud the modesty of the Arabian (hier: Mahomet), who espoused no more than 17 or 15 wives. (691)
Schließlich: "His beneficial or pernicious influence on the public happiness...He breathed among the faithful a spirit of charity and friendship; recommended the practice of the social virtues; and checked, by his laws and precepts, the thirst of revenge, and the oppression of widows and orphans." (694)
Die adäquate Religion
Dieselbe rationalistische Profanisierung, die Gibbons Araber als `Nation´ wie als Mahomet erfahren, findet auch in der Darstellung des Islam als genuin arabische Relion statt, die keineswegs erst mit dem Propheten vom Himmel fiel. Zum Beispiel war auch die Bibel längst ins Arabische übersetzt, "in the story of the Hebrew patriarchs the Arabs were pleased to discover the fathers of their nation." (662) Ebensowenig fiel der Himmel auf den Propheten, sondern die Genese des Islam ist unauflöslich mit dem geoklimatischen, dem soziokulturellen, dem lokalbiographischen Kontext Mahomets verbunden und wird von Gibbon auch inhaltlich stets in diesen Zusammenhang gestellt: "The religion of the Koran might have perished in its cradle, had not Medina embraced with faith and reverence the holy outcasts of Mecca," (676) wo sich der Islam bewaffnete und seinen Gläubigen das Paradies versprach. "`But if we are killed in your service, what´, kolportiert Gibbon "the deputies of Medina, `will be our reward?´ `Paradise´, replied the prophet."(677) Die Paradiesvorstellung reflektiert ihrerseits den profanen Ausgangspunkt, zum einen in ihrer luxuriösen Sinnlichkeit die zwischen Entbehren und Begehren angelegten realen Lebensbedingungen der `Wüstensöhne´7; zum andern in ihrer Gestalt als Lohn des Todesmutes die zunächst objektiv prekäre politisch-militärische Situation der Herausforderer des regionalen Establishments.: "Whosoever falls in battle, his sins are forgiven: at the day of judgement his wounds shall be resplendant as vermilion, and odoriferous as musk; and the loss of his limbs shall be supplied by the wings of angels and cherubim." (679) Auch für die geschichtsmächtige Rolle der Ökonomie ist Gibbons Darstellung der arabischen Religion nicht blind: "Perhaps the Koreish would have been content with the flight of Mahomet, had they not been provoked and alarmed by the vengeance of an enemy who could intercept their Syrian trade." (679) Den Sieg der moslemischen Araber unter Mahomet `entzaubert´ Gibbon recht gründlich und unverkennbar genüßlich:
Are we surprised that a multitude of proselytes should embrace the doctrine and the passions of an eloquent fanatic? In the heresis of the church the same seduction has been tried from the time of the apostles to that of the reformers...Hundred fortunate usurpers have arisen from a baser origin, surmounted more formidable obstacles, and filled a larger scope of empire and conquest. Mahomet was alike, instructed to preach and to fight...His voice invited the Arabs to freedom and victory, to arms amd rapine, to the indulgence of their darling passions, in this world and the other...It is not the propagation, but the permanency of his religion, that deserves our wonder. (693)
Die Araber in Gibbons Modell
Und an dieser Stelle plaziert Gibbon sein 50. Kapitel in den Kontext seines universalhistorischen Modells, sprich: seine Araber in den Zusammenhang des Wechselspiels von Zivilisation und Dekadenz einerseits und Barbarei und Religion andererseits. 

Had the impulse been less powerful, Arabia, free at home, and formidable abroad, might have flourished under a succession of her native monarchs. Her sovereignty was lost by the extend and rapidity of conquest...After the reign of three caliphs, the throne was transported from Medina...and the Bedoweens of the desert, awakening from their dream of dominion, resumed their old and solitary independence. (695) 
Dies markiert auch einen bemerkenswerten Unterschied zu allen anderen triumphierenden Barbarenvölkern von Goten über Vandalen bis hin zu Tataren, die nämlich ihrerseits durch die Eroberung der Zivilisation nicht nur korrumpieren, sondern als Ganzes in der Versenkung verschwinden. Die `old and solitary independence´ des freeborn Arabian aber bleibt im Kern bestehen, umfänglicher noch dessen genuine -nicht bloß angenommene- Religion:
The order, the discipline, the temporal and spiritual ambition of the clergy, are unknown to the Moslems;...From the Atlantic to the Ganges the Koran is acknowledged as the fundamental code, not only of theology but of civil and criminal jurisprudence...This religious servitude is attended with some practical disadvantage; the illiterate legislator had been often misled by his own prejudices and those of his country; and the institutions of the Arabian desert may be ill adapted to the wealth and numbers of Ispahan and Constantinople. (694)
So beschreibt Gibbon nicht nur ein seit 1000 Jahren vergangenes Arabien, sondern geht "unmerklich vom 7./8. Jahrhundert zu seiner Gegenwart, dem 18., über,"8 für die sein Araberbild gleichfalls Gültigkeit beansprucht. Bereits zu Beginn des 50. Kapitels aktualisiert Gibbon z.B. den `character of the Arabs´"in their last hostilities against the Turks" (653) oder durch: "The liberty of the Saracens survived their conquests." (655)
Zusammenfassend läßt sich Gibbons Araberbild demnach folgendermaßen skizzieren: Freigeborene, unabhängige und stolze Wüstensöhne mit allen Nomadentugenden des Kriegers, Räubers, Händlers und Selbstrichters versehen; in einer naturwüchsigen Patriarchaldemokratie freiwillig verbunden, oft blutig verfeindet und dennoch hochherzig, gastfreundlich, ehrenhaft und sogar kultiviert (Städte, Poesie, Feste als gemeinsame Fluchtpunkte in durchaus homerischer Manier); unverweichlichte Männer, deren engen Horizont ein begnadeter Visionär, politischer Führer und geschickter Feldherr durch Wort und Tat zur Einheit der arabischen Stämme in Allah erweitert - seinerseits ein Kind der Wüste und der Umstände; im Genie Mahomets findet die arabische `Nation´9 machtvollen Ausdruck nach innen wie außen, die unentdeckten Wüstentugenden erhalten im Islam ihre Beseelung wie ihre adäquate soziale Form; nach ihrer militärisch-politischen Überdehnung und der damit verbundenen Dekadenz -Tragik aller siegreicher Barbaren- fallen die Araber nicht in die Versenkung, sondern zurück auf die Füße ihrer `old and solitary independence´, was sie von allen anderen Nomadeneroberern abhebt. Ausgeschlossen aus diesem Bild sind die christlichen Klischees von Mohammed als Lüstling, Epileptiker, Betrüger oder Blutbader, nicht indem Gibbon entsprechende Fakten übergeht, sondern indem er sie in ihren sozialen, politischen und natürlich militärischen Kontext stellt und von dorther erklärt: So sind Mildtätigkeit, Schutz der Witwen und Waisen oder Polygamie z.B. ebenso ein sozialer Verdienst Mohammeds wie auch, "notwithstanding a vulgar prejudice" (673) die Himmelspforten beiden Geschlechtern offenstehen oder "the military laws of the Hebrews" als "still more rigid than those of the Arabian legislator" (678) nachgewiesen werden. Im direkten Vergleich der religionsbeschreibenden Abschnitte tritt an die Stelle der unterschwelligen Häme der dann auch heftig angefeindeten Kapitel 15 und 16 zum Christentum10 die aufklärende Erhellung seiner Entstehungsbedingungen und Funktionszusammenhänge. Gibbons Araberbild ist somit gerade durch seine historisch-objektivierende Distanz im Effekt ein positives, dies umso mehr als er schon die `Barbaren´ allgemein keineswegs negativ11 besetzt, sondern ihre ungezähmten männlichen Tugenden den Lastern einer verweiblichten, korrumpierten Zivilisation gegenüberstellt, die sie zurecht erobern. Die eigentliche Tragik ist die Degeneration der bewaffneten Republik - ein Prozeß, dem -wie gesehen- auch die siegreiche Urdemokratie arabischer Wüstenkrieger nicht entgeht.

I shall lead the Arabs to the conquest of Syria, Egypt, and Africa...* 

2. Im literarischen Kontext 

Im Licht des literarischen Kontexts lassen sich Gibbons Araber nun deutlicher in ihrer spezifischen Gestalt erfassen, aber auch der eigentlich schöpferische Anteil ihres Autors am Arabienbild der Spätaufklärung reduziert sich in dieser Perspektive - und wird dadurch transparenter. Zunächst erscheint es allerdings angebracht, die Verortung Gibbons in der Welt der Literaten (statt etwa der Zunft der Historiker) kurz zu rechtfertigen. `Kurz´ meint v.a., die in Abschnitt 4 ausführlich dargelegte historiographische Kritik hier nicht vorwegzunehmen. Es verweist aber gleichfalls auf die relative Leichtigkeit des Belegs durch Gibbons eigenes Zeugnis, die entsprechend epische Diktion seines Werks und die breite Übereinstimmung der Forschung in dieser Frage.
"The design of my first work, the Essay on the Study of Literature, was suggested by", heißt es in der Autobiography sehr bezeichnend, "a refinement of vanity, the desire of justifying and praising the object of a favourite pursuit...learning and language of Greece and Rome."12 15 Jahre später, während derer Gibbon außer seiner Warburton-Kritik und einigen Zeitungsartikeln nichts publizierte13, erscheint der 1.Band seiner History - und dessen `Design´ als literarisches Unternehmen als ebenso konstant wie sein implizit tragisches Motiv: "History is the most popular species of writing, since it can adapt itself to the highest or the lowest capacity. I had chosen an illustrious subject. Rome is familiar to the schoolboy and the statesman; and my narrative was deduced from the last period of classical reading."14
Der Historiker als Literat?
Den kompositorischen Rahmen, in den Gibbon unter anderem seine Araber zur Eroberung Syriens, Ägyptens und (Nord-)Afrikas führt, stellt "the greatest, perhaps, and the most awful scene in the history of mankind"15: das lange und tragische Sterben Roms vom Tod Marc Aurels 180 bis zum Fall Ost-Roms 1453 bzw. der Triumph von Barbarei und Religion. Formal schlägt sich der inszenatorische Zugang im vielgerühmten lateinischen Periodenstil nieder, in der ständigen Wiederkehr theatralischer Metaphern, in der Personalisierung von Geschichte durch zahllose Heldenfiguren sowie durch kollektive Rollenzuschreibungen an die Adresse ganzer Völker. Der Zusammenhang, in dem das oben zitierte Motto sich findet, mag das schlaglichtartig erhellen. Im 48.Kapitel legt Gibbon dem Publikum den Gang der restlichen 2 Bände offen: "At every step, as we sink deeper in the decline and fall of the Eastern empire, the annals of each succeeding reign would impose a more ungrateful and melancholy task...From the time of Heraclius the Byzantine theatre is contracted and darkened."16
"After this foundation following nations will pass before our eyes, and each will occupy the space to which it may be entitled by greatness or merit, or the degree of connection with the Roman world and the present age. I.The Franks; a general appellation which includes all the barbarians of France, Italy and Germany...II.The Arabs and Saracens...III.The Bulgarians, IV.Hungarians, and V.Russians..."17 und so fort bis X.den Türken.Gibbon selbst betonte stets den hohen Rang des Stils -"I was now master of my style and subject"18- und erkannte in der literarischen Qualität, nicht dem historischen Wert, den Schlüssel zur Unsterblichkeit jeden Geschichtswerks: "Tout ce que je dirai c´est remarquer qu´en gros les poetes se sont beaucoups mieux conservés que les historiens. Mettons en parallèle Salluste, Tite Live, et Tacite, les plus illustres des derniers, avec Virgile, Horace et Ovide, les plus célèbres d´entre les premiers."19
Da auch Gibbon den literarischen Grundzug seiner History nicht unterschlug, sondern im Gegenteil unterstrich, was zu seiner Zeit sein Werk ja nur aufwerten konnte20, sollte es kaum erstaunen, daß heute in der Forschung der legendäre Historiker des Römischen Reiches übereinstimmend als Literat gewürdigt wird. Ein willkürlicher Querschnitt, der gleichzeitig einen ersten Einblick in die mögliche Bandbreite wissenschaftlicher Sekundärliteratur eröffnet, wird hier genügen: "Gibbon´s history is first and foremost an epic narrative", befindet etwa Gossman21, with "heroes and heroines of innumerable subnarratives ranging in length from a few lines to a whole chapter and in most cases capable, in Gibbon´s own words, of furnishing `the subject of a very entertaining romance´ or `a very singular object for tragedy´". "Gibbon visibly enjoyed his sense of authorial mastery...took on the role of impresario of nations...is the conductor of huge symphonic movements, in which the scale of the events and the virtuosity of the author are matched," so Burrow22. "Zwar war er ein passionierter Schriftsteller", gibt Saunders zu, "hatte ausgeprägte Überzeugungen und Vorurteile...Aber hinter alledem stand der gelassene Historiker."23 "Und doch lebt das Werk nicht nur vom Glanz dieses oft gerühmten Stils", heißt es bei Christ, sondern von "der Verbindung philosophischer Reflexion und Wertung mit gelehrter wissenschaftlicher Darstellung, der aufgeklärt-kritischen und doch seriösen Behandlung des großen Themas."24 Wir haben es also in Gibbon mit einem Schriftsteller zu tun, der sich zwar mit dem vollen Recht des Sprachgebrauchs seiner Zeit als Historiker25 und Philosoph26 bezeichnen kann. Dennoch erscheint es heute angebrachter, sein Werk und darin seine Araber zunächst in literarischer Hinsicht näher zu bestimmen. So wenig Geschichte als Wissenschaft im modernen Sinn bereits entwickelt gewesen wäre27, so sehr war sie mit den literarischen Kategorien des Erfindens, Entdeckens und Erbauens verknüpft.
Der Araber in der Literatur
"The Decline and Fall may be called the epic of the Enlightenment, for it celebrates the triumph of human reason in Gibbon´s philosophic age,"28 in dem gelehrter Diskurs und republikanische Ideen -und damit der Rekurs auf die Antike- einen hohen Stellenwert einnahmen. Daß aus dieser Sicht auch Arabien und der Orient zunehmend positiv interpretiert wurden, war spätestens seit Gallands Übertragung der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht 1704 gängige Münze, in denen kultivierte Menschen aller Schichten im gemessenen und gebildeten Stil der klassischen Antike miteinander verkehren.
Freilich transportieren Gallands `arabische Erzählungen´ gleichfalls das traditionelle `Verkehrte-Welt´-Motiv in Gestalt eines -allerdings liebenswerten- sinnlich duftenden, zauberhaften Märchenlandes, das negativ ausgestaltet zu werden sich bestens eignet. Ein Beispiel liefert William Beckfords Horrorgeschichte Vathek. An Arabian Tale 1786, die die satanischen, grausamen und amoralischen Potenzen des Orientbildes als Exzeß des Bösen zelebriert. Die Ambivalenz des Arabers in der abendländischen Literatur des 18.Jahrhunderts wird auch an der Mohammed-Figur selbst deutlich. Henri Boulainvilliers´ 1730 posthum erschienenes Vie de Mahomet zeichnet ein für einen christlichen Theologen ungewöhnlich positives Bild des Propheten und der Araber, das in seiner historisch-ethnographischen Begründung Gibbons Argumentation durchaus vorwegnimmt: Die Genügsamkeit und Beständigkeit, Ernsthaftigkeit und Ruhe der Araber ist hiernach direkt mit der "Einsamkeit, nebst der Freyheit" der Wüste verknüpft,29 der Islam wird vor seinem eigenen kulturellen Hintergrund gewürdigt. George Sales Koranübersetzung 1736 stellt dann schon den unmittelbaren Zusammenhang zur praktischen Sozial- und Zivilordnung her. Demgegenüber wirkt freilich auch die mohammedfeindliche Tradition des Mittelalters -etwa in Prideauxs noch 1808 in 10.Auflage erschienenem Life of Mahomet von 1697- fort und wird in gewisser Weise sogar von Voltaire aufgegriffen, der seinen Mahomet 1741/42 als Inbegriff allen Religionsbetrugs anlegt, ein Geschütz im antiklerikalen Gefecht der Aufklärung gegen den Aberglauben30.
Wie sich die Ansätze eines kulturellen Relativismus in der Methode der `Einfühlung´ niederschlagen, wird gerade im deutschsprachigen Raum deutlich, z.B. mit Herders epochalen Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1784-91 und -an dieser Stelle v.a. zu nennen- mit Mozarts 1782 uraufgeführtem Singspiel Entführung aus dem Serail, das den orientalischen Herrscher als `Besitzer´ der von arabischen Piraten entführten Constanze am Ende idealisiert und noch dem `bösen´ Wächter einen authentischen Charakter zuschreibt. Von Lessings 1779 erschienenem Nathan ebenso zu schweigen wie von Goethes Mahomets Gesang 1774; Romantisierende, humanisierende, kulturrelativierende und phantastische Elemente veränderten so das blutige Feindbild des Arabers in der Literatur ganz erheblich. Hinzu kamen empirische und wissenschaftliche Horizonterweiterungen durch Brief- und Reiseberichte etwa einer Lady Montagu posthum 1763 oder eines Carsten Niebuhr seit 1772. Nicht zuletzt wirkte sich auch das Motiv des `Edlen Wilden´ als Gegenentwurf zur korrumpierten und degenerierten Zivilisation im Europa des 18.Jahrhunderts auf eine Wahrnehmung und Darstellung des Arabers aus, von der ebenso Gibbon seinen Ausgang nimmt.
Was bleibt da an neuen Akzenten, die Gibbon gesetzt hätte, noch übrig? Was er außen vor läßt, ist offensichtlich: romantische und verteufelnde Attitüden sind Gibbon so fremd wie jeder unwissenschaftliche Aberglaube, daher findet sich bei ihm auch nicht mehr viel vom traditionellen märchenhaften Orient31. Es findet sich aber ebensowenig von jener -nach Fisch seit 175732- verstärkt präsenten geschichtsphilosophischen Tendenz, in Asien v.a. schlechte und zurückgebliebene Versionen Europas zu sehen. Ausgehend vom tradierten Erobererklischee des Sarazenenkriegers besteht Gibbons Innovation in dessen wissenschaftlich (nicht religiös oder philosophisch)-geoklimatologischer Begründung, das damit eine wesentliche Veränderung erfährt. Der fanatische Antichrist und mittelalterliche Mordbrenner wird so -gleichsam aus der Wüste- neu geschaffen, die weiter gültigen Zuschreibungen `Krieger-Räuber-Händler´ erhalten durch die environmentalistische Relativierung eine neutralere Würdigung, zumal das `Barbarenmotiv´ selbst bei Gibbon nicht bloß negativ besetzt ist. Die von den arabischen Wüstenstämmen getragene ursprüngliche Patriarchaldemokratie der Wüste mit ihrer naturwüchsigen Religion als soziokultureller Kodifizierung dürfte dabei Gibbons eigenständiger Beitrag sein, den er aus den vorhandenen Araberbildern, der wissenschaftlichen Orientierung der Aufklärung und den Implikationen seines eigenen Geschichtsmodells schöpft. Nicht eine etwa positive Zeichnung an sich wäre bemerkenswert, sondern die relative Entmoralisierung der Geschichte als dessen grundlegende Voraussetzung- eine objektivierende Distanz, die bei Gibbon noch die Schilderung des Falls Konstantinopels und seines "great destroyer Mohammed the Second"33 prägt und so eine erweiterte Wahrnehmung erst ermöglicht. "In einer Zeit, die wie selbstverständlich annahm, es sei Aufgabe des Historikers, moralische Lehren zu erteilen," schreibt Saunders, "ging es Gibbon nicht darum, irgend etwas zu beweisen,"34 sondern sich und seinem Publikum einen universalen Begriff zu gewinnen von Geschichte -und Gegenwart- der abendländischen Zivilisation. Hierin zeigt er sich inspiriert von französischer und schottischer Aufklärung, von Montesquieu und Voltaire, Robertson und Smith (dessen Wealth of Nations seinerseits eine Entmoralisierung, nämlich der Ökonomie, vornimmt), womit der Araber in Gibbons Inszenierung von Geschichte als Triumph der Barbarei und Religion (bzw. als Tragödie des Zivilisationsverfalls) als politisch-philosophisches Motiv hervortritt.
Der Araber als politisch-philosophisches Motiv
In Voltaires Mahomet ist er uns als solches bereits begegnet: Als Inbegriff des Fanatismus, Betrugs und Verbrechens institutionalisierter Religion überhaupt, die das Volk in krimineller Weise manipuliert und daher -Écrasez l´infâme!- der Aufklärung weichen muß. Schon nach 3 Aufführungen erwirkte der Klerus entsprechend bis 1751 eine dann immerhin gut 9jährige Absetzung des Stücks. Als viel ergiebiger für das Thema erweist es sich allerdings, den auch für Gibbon grundlegenden Zusammenhang von Barbarei und Religion ernstzunehmen und die Araberfrage gerade von ihrem barbarischen Ende her aufzurollen. So zeigen sich am Beispiel des Barbarenmotivs auch Spezifik und Einfluß aufklärungstypischer Figuren wie des Edlen Wilden oder des anthropologischen Stufen-Modells gesellschaftlicher Entwicklung.
Zunächst lohnt es sich, die allgemeine Begriffsklärung kurz zu vertiefen. Der Begriff des BARBAREN ist so alt wie die antiken Zivilisationen, die ihn -abgrenzend und identitätsstiftend- auf alle außerhalb ihrer städtisch-republikanischen Vergesellschaftug in unkultivierter Wildnis Hausenden anwandte. Ethymologisch reicht der Barbar vom römischen Barbarus (als Fremden, Ausländer, Nichtrömer) über den griechischen Barbaros (dem Fremden, Nichtgriechen, Insbesondere Asiaten und Perser, gleichzeitig ungesittet, ungebildet, wild) zurück bis zum sanskrit-barbara (Adjektiv für stammelnd, unverständlich redend). Er diente auch während des Mittelalters dem nun christlichen Abendland zur positiven Absetzung gegenüber Fremden, hier Nichtchristen und als heidnisch Diffamierten, v.a. eben gegenüber den muslimischen Mauren und Sarazenen. Die zeitgenössische Brisanz Gibbons lag ja gerade darin, im historischen Rückblick Barbarei und Religion in eins zu setzen und als gegen republikanische Zivilisation gerichtet zu interpretieren. Die Empörung des klerikalen Establishments gegen den antireligiösen `Sneer´ seiner History, die in der Indizierung der Kapitel 15 und 16 gipfelten, speist sich mithin aus derselben Quelle wie jene gegen Voltaires Mahomet. Zuvor hatte allerdings bereits die Renaissance einer stärker rationalen statt religiösen Sicht der Dinge den Weg geebnet, die auch den ursprünglichen `barbaries-humanitas´-Gegensatz35 in seinem säkulären Sinn latent revitalisierte. Eindrucksvolles Beispiel ideologischer Nutzanwendung des Barbarenmotivs in dieser modernisierten Form ist Spensers View of the Present State of Ireland, die die konsequente Kolonisierung Irlands propagiert, "to bring them from their delight of licentious barbarism unto the love of goodness and civility"36 und dazu einen mit allen abscheulichen Attributen des heidnischen Halbnomaden -Rechtlosigkeit, Raub, Fehde, Primitivität- ausgestatteten Iren zeichnet.37
[...]

Fußnoten
0 Der Begriff entlehnt sich selbstverständlich: I.Wallerstein, Das moderne Weltsystem, Frankfurt 1984
1 Zur westlichen Feindbildproduktion weiterhin grundlegend: F.Pasierbsky, Krieg und Frieden in der Sprache, Franfurt 1983, S.87-109. Die interessegeleitete Gemachtheit von Feindbildern wird hier akkurat sprachwissenschaftlich analysiert und historisch-politisch kontextualisiert. Insbesondere am Beispiel der antikommunistischen "Totalitarismus"-Figur lässt sich mit Pasierbskys Instrumentarium das nachfolgende "Moslem"-Feindbild als langfristiger Kriegsvorbereitungsdienst gerade heute [Nachtrag von 2012, d.A.] auf frappierende Weise verifizieren.
2 F.C.Scheibe, Christentum und Kulturverfall im Geschichtsbild Edward Gibbons, in: Archiv für Kulturgeschichte 50/1968, S.242;
* E.Gibbon, Verfall und Untergang des Römischen Reiches, Nördlingen 1987, Hg. Saunders, S.61;
3 Siehe hierzu erschöpfend: E.Rotter, Abendland und Sarazenen, Berlin 1986;
4 E.Gibbon, History of the Fall and the Decline of the Roman Empire, London 1961, ed. D.M.Low, Seitenzahlen in Klammern im Haupttext;
5 Hier übernimmt Gibbon den von Locke entwickelten state of nature-Begriff, der -konstitutiv für das Selbstverständnis der Whigs und inzwischen zum Allgemeingut der britischen Öffentlichkeit verbreitert- wie selbstverständlich in sein Modell integriert ist. So weist er sich als aufgeklärter Engländer und Whig aus und als gelehrtes Kind seiner Zeit.
6 Gemeint ist Voltaires Versträgödie Mahomet von 1741. Zum größeren Zusammenhang sh. auch Abschnitt 2 der vorliegenden Arbeit;
7 "Notwithstanding a vulgar prejudice, the gates of heaven will be open to both sexes; but Mahomet has not specified the male companions of the female elect," (673) heißt es ein allgemeines Vorurteil berichtigend bei Gibbon, dessen Beschreibung der eigentlichen Inhalte des Islam schon für sich erstaunlich ausgewogen, komplett und prägnant ausfällt. Da es hier aber auf Gibbons Darstellung und nicht die Inhalte selbst ankommt, werden letztere -ebenso wie die ausladenden Details etwa des Arabienfeldzugs- getrost als bekannt vorausgesetzt.
8 J.Osterhammel, Europäische Wahrnehmung des Orients, KE 2, FernUni, Hagen 1992, S.69;
9 Zu verstehen im Sinne der Spätaufklärung als durch eine Form demokratischer Selbstgesetzgebung sich konstituierendes Gemeinwesen;
10 Die besagten Kapitel, die sich der Erfolgsgeschichte des Christentums widmeten, provozierten sofort eine Woge der Entrüstung auf Seiten seiner zeitgenössischen Vertreter in England, die 1783 eine Indizierung erreichten.
11 In seiner olympischen Perspektive wirkt sich dies genauso auf die respektvollen, ja lobenden Schilderungen großer Barbarenpersönlichkeiten aus. Neben Mohammed seien als -ganz beliebige- Beispiele der tragische Gelimer oder Mohammed II, endgültiger Zerstörer (Ost-)Roms genannt. Vgl.: Kap.XLI bzw. LXVIII;
* E.Gibbon, History, Vol.V, S.75 der von C. Dawson 1910 besorgten Edition/London,NewYork 1980-85, aus der im gesamten Abschnitt 2 zitiert ist;
12 E.Gibbon, Autobiography, ed. J.B.Bury, London 91978, S.95;
13 Mit der von D.Low berichteten These, wonach Virgils Georgica als Teil der augustinischen Demilitarisierungspolitik entstanden und direkt an die unruhigen Bürgerkriegsverteranen adressiert war, beweist Gibbon schon 21jährig einen bemerkenswerten historischen Spürsinn. Vgl. Low, S.XVIf.
14 ebd., S.179f.
15 ders., History, Vol.VI, S.569
16 ebd., Vol.V, S.72
17 ebd., S.75f.
18 ders., Autobiography, S.179f.
19 ders., The Miscellaneous Works, ed. J.Murray, London 21814, reprint 1971, Vol.IV, S.430;
20 Daß er "sehr freimütig die Steinbrüche nennt, aus denen er sein Material heranführte" (Christ, S.16), läßt sich nur retrospektiv auf den Prämissen des 20.Jahrhunderts monieren. Zu seiner Zeit konnte Gibbon darüberhinaus noch Homer und Xenophon als "still my favourite authors" (Autobiography, S.173) deklamieren, deren Helden- und Staatsdichtung als Inspiration auch den Historiker des 18.Jahrhunderts ehrte, nicht diskreditierte.
21 L.Gossman, The Empire Unpossessed, Cambridge 1981, S.106 - eine äußerst instruktive Studie, die mit literaturwissenschaftlichen Instrumenten sehr brauchbare Erträge an den Tag bringt;
22 J.W.Burrow, Gibbon, Oxford 1985, S.68;
23 D.Saunders in: Gibbon, Verfall , Nördlingen 1987, S.XXIV;
24 K.Christ, Von Gibbon zu Rostovtzeff, Darmstadt 1972, S.17;
25 "He presents himself as a `modern historian´ committed to the principles of historical criticism elaborated by the generatin of Pierre Bayle," analysiert Gossman (S.87) sehr treffend die Verbindung zum Autor des 1697 erschienenen Dictionnaire Historique Et Critique.
26 "Diese furchtbare Umwälzung läßt sich mit Nutzen zur Belehrung des gegenwärtigen Jahrhunderts anwenden. Es ist die Pflicht des Patrioten...Ein Philosoph aber darf seine Blicke erweitern und Europa als eine große Republik betrachten."(Gibbon, Verfall, S.559)
27 Den langen Prozeß einer methodischen und theoretischen Grundsteinlegung moderner Geschichtswissenschaft beschreibt in seinen Anfängen gegen Ende des 18.Jahrhunderts anhand Adam Smiths `Theoretical History´ : H.Medick, Naturzustand und Naturgeschichte, Göttingen 1981;
28 H.Bond, The Literary Art of Edward Gibbon, Oxford 1960, S.160:
29 Zit.n. J.Osterhammel, Europ. Wahrnehmung, KE II, S.65
30 Der volle Titel lautet denn auch "Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète"
31 Dennoch hat der alte Orient auch bei Gibbon seine Abdrücke hinterlassen: z.B. die Bärte, die er als wichtiges Merkmal der Araber (auch typographisch) hervorhebt. Die Langlebigkeit des Klischees erweist sich auch anhand der in der deutschen Redensart "beim Barte des Propheten" eingeschlossenen Assoziation mit Arabien. Beckfords Rezeption -und dessen Person- verabscheute Gibbon dagegen heftig.
32 "Die großen europäischen und insbesondere britischen Eroberungen seit 1757 brachten neue Aufgaben mit sich...mußte die Vorstellung allgemeiner, vor allem aber moralischer Überlegenheit begünstigen." J.Fisch, Der märchenhafte Orient, in: Saeculum 35/1984, S.262
33 E.Gibbon, History, Vol.VI, S.417;
34 D.Saunders in: Gibbon, Verfall, S.XXV; 
35 So bei Jean Bodin, dessen Methodus ad facilem historiarum cognitionem 1566 das Studium der Geschichte nach menschlichen, natürlichen und göttlichen Dingen getrennt durchzuführen lehrte;
36 E.Spenser, A View of the Present State of Ireland, ed. W.L.Renwick, Oxford 1970, S.11; vgl. auch C.Uhlig, Spensers irische Barbaren, in: A.Buck, Ende der Renaissance, Wiesbaden 1987, S.135-55;
37 Vgl. hierzu auch: R.G.Asch, Kulturelle Grenzen Europas in der Neuzeit, FernUni, Hagen 1995, KE II, Kap.3;
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Literaturliste / Quellen:
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- History...(ed. R.M.Hutchins), Chicago 201975
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