Nach Glasnost und der Auflösung des Sowjet-Systems im modernen
Weltsystem1,
das seit dem 16. Jahrhundert ein europäisches ist und spätestens im 19.
Jahrhundert ein kapitalistisches wurde, läßt sich auf
politisch-ökonomische Weise die westliche Feindbildproduktion von
dorther kaum noch befruchten. Es ist daher nicht erstaunlich, daß ein
religiös-kultureller Weg beschritten wird, auf dem "der Orient", "der
Araber" und "der Islam" wieder ins Visier geraten, womit Fragen nach
der europäischen, d.i. westlichen Wahrnehmung dieses "Orients" auch in
geschichtlicher Perspektive aktueller kaum sein könnten. Im Folgenden
soll die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts am Beispiel Edward Gibbons
daraufhin untersucht werden, wodurch diese Wahrnehmung in der Periode
der Aufklärung spezifisch gekennzeichnet war, wobei die Frage nach der
Besonderheit des Beitrags Gibbons zum abendländischen Arabienbild den
roten Faden liefert auf dem Gang durch den verwirrenden Komplex
vielfältiger und widersprüchlicher Zusammenhänge, den allerdings fast
jedes größere historische Thema aufwirft.
Eingangs will ich nicht mehr als den
materialen Gehalt von Gibbons "The Coming of Islam"-Kapitel
sowie dessen Stellung innerhalb des gesamten Epos´ vom "Decline and
Fall of the Roman Empire" referieren. Fast von selbst drängt sich dabei
der
literarische Kontext im spätaufgeklärten Europa auf: Die
verschiedenen Erfindungen von Orientalen, Muslimen, Arabern (neben
Gibbon tragen -nur z.B.- Gallands 1001 Nacht, Beckfords Vathek,
Voltaires Mahomet, Mozart, Puccini oder auch Lady Montagu dazu bei)
zwischen "Sarazenen" und "Türken", aber auch
"Edlen Wilden" und "Indianern"; Um einen genaueren Begriff von Gibbons
"Arabern" zu gewinnen, ist unabweisbar der
politische Kontext im Zentrum des britischen Empire vor
seinem historischen Hintergrund zu berücksichtigen: dem Siebenjährigen
"Weltkrieg", den Problemen mit unruhigen Kolonien (Amerika, Indien,
Irland), der französisch-revolutionären Herausforderung und v.a.
Gibbons eigene Stellung in politischer Hinsicht. In einem dritten
Schritt müssen wir den scheinbar unpolitischen Literaten, der als
Historiker des Römischen Reiches unsterblich wurde, kritisch in einen
geschichtswissenschaftlichen Kontext einordnen, um Wert und
Wirkung seiner "Araber" und seines "Decline and Fall" insgesamt zu
erfassen. So erscheint ein Punkt erreichbar, von dem aus unter
fremdwahrnehmungstheoretischen Aspekten die zeitgenössische
wie die langfristige Leistung Gibbons untersucht und ihre Herkunft,
Bedeutung und Wirkung abschließend beurteilt werden kann.
Zitiert wird dabei aus 3 verschiedenen Ausgaben von Gibbons
History, nämlich den Editionen Lows (Teil 1), Dawsons (Teil 2)
und Hutchins´ (folgende), wo möglich auch aus der einzig verfügbaren
deutschsprachigen -gekürzten- Ausgabe des Greno-Verlags, in der -unter
vielem anderen- auch das relevante 50.Kapitel fehlt. Das unterstreicht
nebenbei Scheibes wohl immer noch gültiges Diktum "Von deutscher
Gibbon-Forschung kann man nicht
sprechen."2 - ein Fakt, der das Entstehen der vorliegenden Arbeit nicht eben begünstigte.
Die Araber...haben in Armuth und
Verachtung geschmachtet, bis
Mohammed diesen wilden Körpern die Seele des
Enthusiasmus einhauchte.*
Zunächst ist klarzustellen, daß "The
History of the Decline and Fall of the Roman Empire" und ihr Autor
nicht wegen des 50. Kapitels "The Coming of Islam" weltberühmt wurden
(und es bis heute geblieben sind), sondern wegen der großartigen
Konzeption einer Universalgeschichte als Triumph von Barbarei und
Religion über die aus eigener Schuld geschwächte und degenerierte
Bürgerrepublik, die zeitgenössisch überdies eine exakt bestimmbare
Funktion ausfüllte. Eingebettet in diesen Zusammenhang kommt Gibbons
Arabern (und später den Türken) im Osten eine den Barbaren des Westens
vergleichbare Rolle als unverweichlichte und glaubenssichere
Totengräber Roms respektive Konstantinopels zu. Freilich spielen sie
diese Rolle in spezifischer Weise, unterschieden nicht nur von Goten
und Germanen, Tataren oder Türken, sondern auch vom tradierten Bild des
`Sarazenen´3, zu dem Gibbon eine deutliche Distanz verrät:
"The Arabian tribes were confounded by the Greeks and Latins under the
general appellation of Saracens, a name which every Christian mouth has
been taught to pronounce with terror and
abhorrence."4
(654) Gibbon zeichnet ein differenzierteres Bild, das v.a. durch die
historisch objektivierende Anordnung und die Einordnung in sein
Großmodell innovativ ist und neue Akzente setzt. In nuce: "Mahomet,
with the sword in one hand and the Koran in the other, erected his
throne on the ruins of Christianity and of Rome. The genius of the
Arabian prophet, the manners of his nation, and the spirit of his
religion, involve the causes of the decline and fall of the Eastern
empire;" (649)
Die
Wüstensöhne
Den 3 Faktoren -prophet, nation, religion-
gemeinsam ist der geoklimatische Ursprung: die Wüste, "this scene of
misery" (651) und natürliche Heimat des Pferds, des Kamels, des
Nomadentums, "a life of danger and distress" (652). Unabhängigkeit,
soldatische Tugenden und wahre Mannhaftigkeit kennzeichnen den unter
solchen Bedingungen Aufgewachsenen: "His speech is slow, weighty, and
concise; he is seldom provoked to laughter, his only gesture is that of
stroking his beard, the venerable symbol of manhood" (655) Er ist
persönlich frei, z.B. "if the Arabian princes abuse their power, they
are quickly punished by the desertion of their subjects, who had been
accustomed to a mild and parental jurisdiction." (654) Und im Kollektiv
"the nation is free, because each of her sons disdains a base
submission to the will of a master." (655) Die Entbehrungen der Wüste
und "the seperation of the Arabs from the rest of mankind" haben
gleichermaßen spezifische "ideas of stranger and enemy" geformt,
insbesondere auch das Bewußtsein, "the rich and fertile climates were
assigned to the other branches of the human family; and that the
posterity of the outlaw Ismael might recover, by fraud and force, the
portion of inheritance of which he had been unjustly deprived." (655)
Zum Räuber kommt der Rächer: "In private life every man, at least every
family, was the judge and avenger of its own cause. The nice
sensibility of honour...sheds its deadly venom on the quarrels of the
Arabs: the honour of their women, and of their beards, is most easily
wounded." (656) Städte, Handel, Gastfreundschaft, Großmut, kultureller
Austausch milderten aber den "spirit of rapine and revenge", z.B. "the
distant or hostile tribes resorted to an annual fair...30 days were
employed in the exchange, not only of the corn and wine, but of
eloquence and poetry." (657) Die ursprüngliche Religion der Araber
"consisted in the worship of the sun, the moon, and the fixed stars"
(658), in diesem Rahmen allerdings bemerkenswert flexibel: "Each tribe,
each family, each independent warrior, created and changed the rites
and the object of his fantastic worship" (659), "each Arab was free to
elect or to compose his private religion." (661)
Einer dieser
solchermaßen Freigeborenen war Mahomet aus dem Stamm der Koreish,
einziger Sohn von Abdallah und Amina, geboren 570 in Mekka, mit 25
verheiratet mit der reichen Witwe Cadijah. Sehr detailliert nacherzählt
Gibbon den Werdegang des zunächst nur im kleinen Kreis -quasi privat-
missionierenden Arabers, den erst die erzwungene Flucht nach Medina mit
40 in die Prophetenrolle gleichsam nötigt. Die Parallelen zum in die
Wüste geschickten biblischen Ismael liegen, ohne daß Gibbon dies
explizit nennt, auf der Hand.
Der arabische Prophet
Hier erst nimmt der
genius of the arabian prophet zum Koran das Schwert: "In the state of
nature5
every man has a right to defend, by force of arms, his person and his
possessions;...Mahomet, in the exercise of a peaceful and benevolent
mission, had been despoiled and banished by the injustice of his
countrymen" und erklärt so den "War against the Infidel" (678)
ursprünglich den Koreish. "The Arab continued to unite the professions
of a merchant and a robber; and his petty excursions for the defence or
the attack of a caravan insensibly prepared his troops for the conquest
of Arabia." (679) Diesen beschreibt Gibbon dann auch in der für sein
gesamtes Werk typischen militärstrategischen Ausführlichkeit gepaart
mit epischer Fabulistik, ein Beispiel: "But the friendship of Heraclius
and Mahomet was of short continuance: the new religion had inflamed
rather than assuaged the rapacious spirit of the Saracens (hier sind
die syrischen, nicht die moslemischen Araber gemeint); and the murder
of an enemy afforded a decent pretendence for invading, with three
thousand soldiers, the territory of Palestine, that extends to the
eastward of Jordan." (686) Hervorzuheben ist jedenfalls die
historisch-objektivierende Rationalisierung des Siegeszugs Mahomets,
den -bei aller religiösen Inspiration- der Feldherr und seine
begeisterte Armee mit militärischen Mitteln vollzog. Im Rahmen der
History entfällt damit aber auch eine -womöglich teuflische- Sonderrolle in religiöser Hinsicht.
Konsistenterweise
zeichnet Gibbon `the character and private life of Mahomet´ ebenso
rational vor dem Hintergrund des biographischen, sozialen, politischen
(d.i. in erster Linie: feldzugsdynamischen) und historischen Kontexts.
Heraus kommt ein von Verklärung wie Verteuflung gleich weit entferntes
Porträt Mahomets als sendungsbewußtem militärisch-politischem Führer
einer in Allah geeinten und relativ gleichgestellten Bruderschaft. "Of
his last years ambition was the ruling passion...", so greift Gibbon
das Negativbild Mahomets (nicht zuletzt reproduziert bei
Voltaire6, wenngleich in generell antireligiöser Absicht)
seiner Zeit auf, um es historisch zu erhellen, "the sins of Mahomet may
be allowed as an evidence of sincerity. In the support of truth, the
arts of fraud and fiction may be deemed less criminal...The decree of
Mahomet, that, in the sale of captives, the mothers should never be
seperated from their children, may suspend, or moderate, the censure of
the historian." (690) Gibbon hält eine Fülle weiterer Beispiele bereit:
The good sense of Mahomet despised the pomp
of royalty; the apostle of God submitted to the menial offices of the
family; he kindled the fire, swept the floor, milked the ewes, and
mendled with his own hands his shoes...Perfumes and women were the two
sensual enjoyments which his nature required, and his religion did not
forbid...(>The heat of the climate inflames the blood of the Arabs)
Polygamy was reduced to four legitimate wives...If we remember the
seven hundred concubines of the wise Solomon, we shall applaud the
modesty of the Arabian (hier: Mahomet), who espoused no more than 17 or
15 wives. (691)
Schließlich: "His
beneficial or pernicious influence on the public happiness...He
breathed among the faithful a spirit of charity and friendship;
recommended the practice of the social virtues; and checked, by his
laws and precepts, the thirst of revenge, and the oppression of widows
and orphans." (694)
Die adäquate Religion
Dieselbe
rationalistische Profanisierung, die Gibbons Araber als `Nation´ wie
als Mahomet erfahren, findet auch in der Darstellung des Islam als
genuin arabische
Religion statt, die keineswegs erst mit dem Propheten vom Himmel fiel.
Zum Beispiel war auch die Bibel längst ins Arabische übersetzt, "in the
story of the Hebrew patriarchs the Arabs were pleased to discover the
fathers of their nation." (662) Ebensowenig fiel der Himmel auf den
Propheten, sondern die Genese des Islam ist unauflöslich mit dem
geoklimatischen, dem soziokulturellen, dem lokalbiographischen Kontext
Mahomets verbunden und wird von Gibbon auch inhaltlich stets in diesen
Zusammenhang gestellt: "The religion of the Koran might have perished
in its cradle, had not Medina embraced with faith and reverence the
holy outcasts of Mecca," (676) wo sich der Islam bewaffnete und seinen
Gläubigen das Paradies versprach. "`But if we are killed in your
service, what´, kolportiert Gibbon "the deputies of Medina, `will be
our reward?´ `Paradise´, replied the prophet."(677) Die
Paradiesvorstellung reflektiert ihrerseits den profanen Ausgangspunkt,
zum einen in ihrer luxuriösen Sinnlichkeit die zwischen Entbehren und
Begehren angelegten realen Lebensbedingungen der `Wüstensöhne´7;
zum andern in ihrer Gestalt als Lohn des Todesmutes die zunächst
objektiv prekäre politisch-militärische Situation der Herausforderer
des regionalen Establishments.: "Whosoever falls in battle, his sins
are forgiven: at the day of judgement his wounds shall be resplendant
as vermilion, and odoriferous as musk; and the loss of his limbs shall
be supplied by the wings of angels and cherubim." (679) Auch für die
geschichtsmächtige Rolle der Ökonomie ist Gibbons Darstellung der
arabischen Religion nicht blind: "Perhaps the Koreish would have been
content with the flight of Mahomet, had they not been provoked and
alarmed by the vengeance of an enemy who could intercept their Syrian
trade." (679) Den Sieg der moslemischen Araber unter Mahomet
`entzaubert´ Gibbon recht gründlich und unverkennbar genüßlich:
Are
we surprised that a multitude of proselytes should embrace the doctrine
and the passions of an eloquent fanatic? In the heresis of the church
the same seduction has been tried from the time of the apostles to that
of the reformers...Hundred fortunate usurpers have arisen from a baser
origin, surmounted more formidable obstacles, and filled a larger scope
of empire and conquest. Mahomet was alike, instructed to preach and to
fight...His voice invited the Arabs to freedom and victory, to arms amd
rapine, to the indulgence of their darling passions, in this world and
the other...It is not the propagation, but the permanency of his
religion, that deserves our wonder. (693)
Die Araber in Gibbons Modell
Und
an dieser Stelle plaziert Gibbon sein 50. Kapitel in den Kontext seines
universalhistorischen Modells, sprich: seine Araber in den Zusammenhang
des Wechselspiels von Zivilisation und Dekadenz einerseits und Barbarei
und Religion andererseits.
Had the impulse been less powerful,
Arabia, free at home, and formidable abroad, might have flourished
under a succession of her native monarchs. Her sovereignty was lost by
the extend and rapidity of conquest...After the reign of three caliphs,
the throne was transported from Medina...and the Bedoweens of the
desert, awakening from their dream of dominion, resumed their old and
solitary independence. (695)
Dies markiert auch einen
bemerkenswerten Unterschied zu allen anderen triumphierenden
Barbarenvölkern von Goten über Vandalen bis hin zu Tataren, die nämlich
ihrerseits durch die Eroberung der Zivilisation nicht nur korrumpieren,
sondern als Ganzes in der Versenkung verschwinden. Die `old and
solitary independence´ des freeborn Arabian aber bleibt im Kern
bestehen, umfänglicher noch dessen genuine -nicht bloß angenommene-
Religion:
The order, the discipline, the temporal
and spiritual ambition of the clergy, are unknown to the
Moslems;...From the Atlantic to the Ganges the Koran is acknowledged as
the fundamental code, not only of theology but of civil and criminal
jurisprudence...This religious servitude is attended with some
practical disadvantage; the illiterate legislator had been often misled
by his own prejudices and those of his country; and the institutions of
the Arabian desert may be ill adapted to the wealth and numbers of
Ispahan and Constantinople. (694)
So beschreibt Gibbon nicht nur ein seit 1000 Jahren vergangenes
Arabien, sondern geht "unmerklich vom 7./8. Jahrhundert zu seiner
Gegenwart, dem 18., über,"8 für die sein Araberbild
gleichfalls Gültigkeit beansprucht. Bereits zu Beginn des 50. Kapitels
aktualisiert Gibbon z.B. den `character of the Arabs´"in their last
hostilities against the Turks" (653) oder durch: "The liberty of the
Saracens survived their conquests." (655)
Zusammenfassend läßt sich
Gibbons Araberbild demnach folgendermaßen skizzieren: Freigeborene,
unabhängige und stolze Wüstensöhne mit allen Nomadentugenden des
Kriegers, Räubers, Händlers und Selbstrichters versehen; in einer
naturwüchsigen Patriarchaldemokratie freiwillig verbunden, oft blutig
verfeindet und dennoch hochherzig, gastfreundlich, ehrenhaft und sogar
kultiviert (Städte, Poesie, Feste als gemeinsame Fluchtpunkte in
durchaus homerischer Manier); unverweichlichte Männer, deren engen
Horizont ein begnadeter Visionär, politischer Führer und geschickter
Feldherr durch Wort und Tat zur Einheit der arabischen Stämme in Allah
erweitert - seinerseits ein Kind der Wüste und der Umstände; im Genie
Mahomets findet die arabische `Nation´9 machtvollen Ausdruck
nach innen wie außen, die unentdeckten Wüstentugenden erhalten im Islam
ihre Beseelung wie ihre adäquate soziale Form; nach ihrer
militärisch-politischen Überdehnung und der damit verbundenen Dekadenz
-Tragik aller siegreicher Barbaren- fallen die Araber nicht in die
Versenkung, sondern zurück auf die Füße ihrer `old and solitary
independence´, was sie von allen anderen Nomadeneroberern abhebt.
Ausgeschlossen aus diesem Bild sind die christlichen Klischees von
Mohammed als Lüstling, Epileptiker, Betrüger oder Blutbader, nicht
indem Gibbon entsprechende Fakten übergeht, sondern indem er sie in
ihren sozialen, politischen und natürlich militärischen Kontext stellt
und von dorther erklärt: So sind Mildtätigkeit, Schutz der Witwen und
Waisen oder Polygamie z.B. ebenso ein sozialer Verdienst Mohammeds wie
auch, "notwithstanding a vulgar prejudice" (673) die Himmelspforten
beiden Geschlechtern offenstehen oder "the military laws of the
Hebrews" als "still more rigid than those of the Arabian legislator"
(678) nachgewiesen werden. Im direkten Vergleich der
religionsbeschreibenden Abschnitte tritt an die Stelle der
unterschwelligen Häme der dann auch heftig angefeindeten Kapitel 15 und
16 zum
Christentum10 die aufklärende Erhellung seiner
Entstehungsbedingungen und Funktionszusammenhänge. Gibbons Araberbild
ist somit gerade durch seine historisch-objektivierende Distanz im
Effekt ein positives, dies umso mehr als er schon die `Barbaren´
allgemein keineswegs
negativ11 besetzt, sondern ihre ungezähmten männlichen
Tugenden den Lastern einer verweiblichten, korrumpierten Zivilisation
gegenüberstellt, die sie zurecht erobern. Die eigentliche Tragik ist
die Degeneration der bewaffneten Republik - ein Prozeß, dem -wie
gesehen- auch die siegreiche Urdemokratie arabischer Wüstenkrieger
nicht
entgeht.
I shall lead the Arabs to the conquest of Syria, Egypt, and Africa...*
2. Im literarischen Kontext
Im Licht des literarischen Kontexts
lassen sich Gibbons Araber nun deutlicher in ihrer spezifischen Gestalt
erfassen, aber auch der eigentlich schöpferische Anteil ihres Autors am
Arabienbild der Spätaufklärung reduziert sich in dieser Perspektive -
und wird dadurch transparenter. Zunächst erscheint es allerdings
angebracht, die Verortung Gibbons in der Welt der Literaten (statt etwa
der Zunft der Historiker) kurz zu rechtfertigen. `Kurz´ meint v.a., die
in Abschnitt 4 ausführlich dargelegte historiographische Kritik hier
nicht vorwegzunehmen. Es verweist aber gleichfalls auf die relative
Leichtigkeit des Belegs durch Gibbons eigenes Zeugnis, die entsprechend
epische Diktion seines Werks und die breite Übereinstimmung der
Forschung in dieser Frage.
"The design of my first work, the
Essay on the Study of Literature, was suggested by", heißt es
in der Autobiography sehr bezeichnend, "a refinement of vanity, the
desire of justifying and praising the object of a favourite
pursuit...learning and language of Greece and
Rome."12 15 Jahre später, während derer Gibbon außer seiner Warburton-Kritik und einigen Zeitungsartikeln nichts
publizierte13, erscheint der 1.Band seiner History
- und dessen `Design´ als literarisches Unternehmen als ebenso konstant
wie sein implizit tragisches Motiv: "History is the most popular
species of writing, since it can adapt itself to the highest or the
lowest capacity. I had chosen an illustrious subject. Rome is familiar
to the schoolboy and the statesman; and my narrative was deduced from
the last period of classical
reading."14
Der Historiker als Literat?
Den
kompositorischen Rahmen, in den Gibbon unter anderem seine Araber zur
Eroberung Syriens, Ägyptens und (Nord-)Afrikas führt, stellt "the
greatest, perhaps, and the most awful scene in the history of
mankind"15: das lange und tragische Sterben Roms vom Tod
Marc Aurels 180 bis zum Fall Ost-Roms 1453 bzw. der Triumph von
Barbarei und Religion. Formal schlägt sich der inszenatorische Zugang
im vielgerühmten lateinischen Periodenstil nieder, in der ständigen
Wiederkehr theatralischer Metaphern, in der Personalisierung von
Geschichte durch zahllose Heldenfiguren sowie durch kollektive
Rollenzuschreibungen an die Adresse ganzer Völker. Der Zusammenhang, in
dem das oben zitierte Motto sich findet, mag das schlaglichtartig
erhellen. Im 48.Kapitel legt Gibbon dem Publikum den Gang der
restlichen 2 Bände offen: "At every step, as we sink deeper in the
decline and fall of the Eastern empire, the annals of each succeeding
reign would impose a more ungrateful and melancholy task...From the
time of Heraclius the Byzantine theatre is contracted and
darkened."16
"After this foundation following nations
will pass before our eyes, and each will occupy the space to which it
may be entitled by greatness or merit, or the degree of connection with
the Roman world and the present age. I.The Franks; a general
appellation which includes all the barbarians of France, Italy and
Germany...II.The Arabs and Saracens...III.The Bulgarians,
IV.Hungarians, and
V.Russians..."17 und so fort bis X.den Türken.Gibbon selbst betonte stets den hohen Rang des Stils -"I was now master of my style and
subject"18-
und erkannte in der literarischen Qualität, nicht dem historischen
Wert, den Schlüssel zur Unsterblichkeit jeden Geschichtswerks: "Tout ce
que je dirai c´est remarquer qu´en gros les poetes se sont beaucoups
mieux conservés que les historiens. Mettons en parallèle Salluste, Tite
Live, et Tacite, les plus illustres des derniers, avec Virgile, Horace
et Ovide, les plus célèbres d´entre les
premiers."19
Da auch Gibbon den literarischen Grundzug seiner
History nicht unterschlug, sondern im Gegenteil unterstrich, was zu seiner Zeit sein Werk ja nur aufwerten
konnte20,
sollte es kaum erstaunen, daß heute in der Forschung der legendäre
Historiker des Römischen Reiches übereinstimmend als Literat gewürdigt
wird. Ein willkürlicher Querschnitt, der gleichzeitig einen ersten
Einblick in die mögliche Bandbreite wissenschaftlicher
Sekundärliteratur eröffnet, wird hier genügen: "Gibbon´s history is
first and foremost an epic narrative", befindet etwa
Gossman21, with "heroes and heroines of innumerable
subnarratives ranging in length from a few lines to a whole chapter and
in most cases capable, in Gibbon´s own words, of furnishing `the
subject of a very entertaining romance´ or `a very singular object for
tragedy´". "Gibbon visibly enjoyed his sense of authorial
mastery...took on the role of impresario of nations...is the conductor
of huge symphonic movements, in which the scale of the events and the
virtuosity of the author are matched," so
Burrow22. "Zwar war er ein passionierter Schriftsteller",
gibt Saunders zu, "hatte ausgeprägte Überzeugungen und
Vorurteile...Aber hinter alledem stand der gelassene
Historiker."23 "Und doch lebt das Werk nicht nur vom Glanz
dieses oft gerühmten Stils", heißt es bei Christ, sondern von "der
Verbindung philosophischer Reflexion und Wertung mit gelehrter
wissenschaftlicher Darstellung, der aufgeklärt-kritischen und doch
seriösen Behandlung des großen
Themas."24 Wir haben es also in Gibbon mit einem
Schriftsteller zu tun, der sich zwar mit dem vollen Recht des
Sprachgebrauchs seiner Zeit als
Historiker25 und Philosoph26 bezeichnen kann.
Dennoch erscheint es heute angebrachter, sein Werk und darin seine
Araber zunächst in literarischer Hinsicht näher zu bestimmen. So wenig
Geschichte als Wissenschaft im modernen Sinn bereits entwickelt gewesen
wäre27, so sehr war sie mit den literarischen Kategorien des Erfindens, Entdeckens und Erbauens verknüpft.
Der
Araber in der Literatur
"The Decline and Fall may be called the epic of the Enlightenment, for it celebrates the triumph of human reason in Gibbon´s philosophic
age,"28
in dem gelehrter Diskurs und republikanische Ideen -und damit der
Rekurs auf die Antike- einen hohen Stellenwert einnahmen. Daß aus
dieser Sicht auch Arabien und der Orient zunehmend positiv
interpretiert wurden, war spätestens seit Gallands Übertragung der
Geschichten aus Tausendundeiner Nacht 1704 gängige Münze, in
denen kultivierte Menschen aller Schichten im gemessenen und gebildeten
Stil der klassischen Antike miteinander verkehren.
Freilich
transportieren Gallands `arabische Erzählungen´ gleichfalls das
traditionelle `Verkehrte-Welt´-Motiv in Gestalt eines -allerdings
liebenswerten- sinnlich duftenden, zauberhaften Märchenlandes, das
negativ ausgestaltet zu werden sich bestens eignet. Ein Beispiel
liefert William Beckfords Horrorgeschichte
Vathek. An Arabian Tale 1786, die die satanischen, grausamen
und amoralischen Potenzen des Orientbildes als Exzeß des Bösen
zelebriert. Die Ambivalenz des Arabers in der abendländischen Literatur
des 18.Jahrhunderts wird auch an der Mohammed-Figur selbst deutlich.
Henri Boulainvilliers´ 1730 posthum erschienenes
Vie de Mahomet zeichnet ein für einen christlichen Theologen
ungewöhnlich positives Bild des Propheten und der Araber, das in seiner
historisch-ethnographischen Begründung Gibbons Argumentation durchaus
vorwegnimmt: Die Genügsamkeit und Beständigkeit, Ernsthaftigkeit und
Ruhe der Araber ist hiernach direkt mit der "Einsamkeit, nebst der
Freyheit" der Wüste
verknüpft,29 der Islam wird vor seinem eigenen kulturellen
Hintergrund gewürdigt. George Sales Koranübersetzung 1736 stellt dann
schon den unmittelbaren Zusammenhang zur praktischen Sozial- und
Zivilordnung her. Demgegenüber wirkt freilich auch die
mohammedfeindliche Tradition des Mittelalters -etwa in Prideauxs noch
1808 in 10.Auflage erschienenem
Life of Mahomet von 1697- fort und wird in gewisser Weise sogar von Voltaire aufgegriffen, der seinen
Mahomet 1741/42 als Inbegriff allen Religionsbetrugs anlegt, ein Geschütz im antiklerikalen Gefecht der Aufklärung gegen den
Aberglauben30.
Wie
sich die Ansätze eines kulturellen Relativismus in der Methode der
`Einfühlung´ niederschlagen, wird gerade im deutschsprachigen Raum
deutlich, z.B. mit Herders epochalen
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1784-91 und -an dieser Stelle v.a. zu nennen- mit Mozarts 1782 uraufgeführtem Singspiel
Entführung aus dem Serail, das den orientalischen Herrscher als
`Besitzer´ der von arabischen Piraten entführten Constanze am Ende
idealisiert und noch dem `bösen´ Wächter einen authentischen Charakter
zuschreibt. Von Lessings 1779 erschienenem Nathan ebenso zu schweigen
wie von Goethes
Mahomets Gesang 1774; Romantisierende, humanisierende,
kulturrelativierende und phantastische Elemente veränderten so das
blutige Feindbild des Arabers in der Literatur ganz erheblich. Hinzu
kamen empirische und wissenschaftliche Horizonterweiterungen durch
Brief- und Reiseberichte etwa einer Lady Montagu posthum 1763 oder
eines Carsten Niebuhr seit 1772. Nicht zuletzt wirkte sich auch das
Motiv des `Edlen Wilden´ als Gegenentwurf zur korrumpierten und
degenerierten Zivilisation im Europa des 18.Jahrhunderts auf eine
Wahrnehmung und Darstellung des Arabers aus, von der ebenso Gibbon
seinen Ausgang nimmt.
Was bleibt da an neuen Akzenten, die Gibbon
gesetzt hätte, noch übrig? Was er außen vor läßt, ist offensichtlich:
romantische und verteufelnde Attitüden sind Gibbon so fremd wie jeder
unwissenschaftliche Aberglaube, daher findet sich bei ihm auch nicht
mehr viel vom traditionellen märchenhaften
Orient31. Es findet sich aber ebensowenig von jener -nach Fisch seit
175732-
verstärkt präsenten geschichtsphilosophischen Tendenz, in Asien v.a.
schlechte und zurückgebliebene Versionen Europas zu sehen. Ausgehend
vom tradierten Erobererklischee des Sarazenenkriegers besteht Gibbons
Innovation in dessen wissenschaftlich (nicht religiös oder
philosophisch)-geoklimatologischer Begründung, das damit eine
wesentliche Veränderung erfährt. Der fanatische Antichrist und
mittelalterliche Mordbrenner wird so -gleichsam aus der Wüste- neu
geschaffen, die weiter gültigen Zuschreibungen `Krieger-Räuber-Händler´
erhalten durch die environmentalistische Relativierung eine neutralere
Würdigung, zumal das `Barbarenmotiv´ selbst bei Gibbon nicht bloß
negativ besetzt ist. Die von den arabischen Wüstenstämmen getragene
ursprüngliche Patriarchaldemokratie der Wüste mit ihrer naturwüchsigen
Religion als soziokultureller Kodifizierung dürfte dabei Gibbons
eigenständiger Beitrag sein, den er aus den vorhandenen Araberbildern,
der wissenschaftlichen Orientierung der Aufklärung und den
Implikationen seines eigenen Geschichtsmodells schöpft. Nicht eine etwa
positive Zeichnung an sich wäre bemerkenswert, sondern die relative
Entmoralisierung der Geschichte als dessen grundlegende
Voraussetzung - eine objektivierende Distanz,die bei Gibbon noch die
Schilderung des Falls Konstantinopels und seines "great destroyer
Mohammed the
Second"33 prägt und so eine erweiterte Wahrnehmung erst
ermöglicht. "In einer Zeit, die wie selbstverständlich annahm, es sei
Aufgabe des Historikers, moralische Lehren zu erteilen," schreibt
Saunders, "ging es Gibbon nicht darum, irgend etwas zu
beweisen,"34 sondern sich und seinem Publikum einen
universalen Begriff zu gewinnen von Geschichte -und Gegenwart- der
abendländischen Zivilisation. Hierin zeigt er sich inspiriert von
französischer und schottischer Aufklärung, von Montesquieu und
Voltaire, Robertson und Smith (dessen
Wealth of Nations seinerseits eine Entmoralisierung, nämlich
der Ökonomie, vornimmt), womit der Araber in Gibbons Inszenierung von
Geschichte als Triumph der Barbarei und Religion (bzw. als Tragödie des
Zivilisationsverfalls) als politisch-philosophisches Motiv hervortritt.
Der
Araber als politisch-philosophisches Motiv
In Voltaires Mahomet
ist er uns als solches bereits begegnet: Als Inbegriff des Fanatismus,
Betrugs und Verbrechens institutionalisierter Religion überhaupt, die
das Volk in krimineller Weise manipuliert und daher -Écrasez l´infâme!-
der Aufklärung weichen muß. Schon nach 3 Aufführungen erwirkte der
Klerus entsprechend bis 1751 eine dann immerhin gut 9jährige Absetzung
des Stücks. Als viel ergiebiger für das Thema erweist es sich
allerdings, den auch für Gibbon grundlegenden Zusammenhang von Barbarei
und Religion ernstzunehmen und die Araberfrage gerade von ihrem
barbarischen Ende her aufzurollen. So zeigen sich am Beispiel des
Barbarenmotivs auch Spezifik und Einfluß aufklärungstypischer Figuren wie des
Edlen Wilden oder des anthropologischen Stufen-Modells gesellschaftlicher Entwicklung.
Zunächst lohnt es sich, die allgemeine Begriffsklärung kurz zu vertiefen. Der Begriff des
BARBAREN ist so alt wie die antiken Zivilisationen, die ihn
-abgrenzend und identitätsstiftend- auf alle außerhalb ihrer
städtisch-republikanischen Vergesellschaftug in unkultivierter Wildnis
Hausenden anwandte. Ethymologisch reicht der Barbar vom römischen
Barbarus (als Fremden, Ausländer, Nichtrömer) über den griechischen Barbaros (dem Fremden, Nichtgriechen, Insbesondere Asiaten und Perser, gleichzeitig ungesittet, ungebildet, wild) zurück bis zum
sanskrit-barbara
(Adjektiv für stammelnd, unverständlich redend). Er diente auch während
des Mittelalters dem nun christlichen Abendland zur positiven Absetzung
gegenüber Fremden, hier Nichtchristen und als heidnisch Diffamierten,
v.a. eben gegenüber den muslimischen Mauren und Sarazenen. Die
zeitgenössische Brisanz Gibbons lag ja gerade darin, im historischen
Rückblick Barbarei und Religion in eins zu setzen und als gegen
republikanische Zivilisation gerichtet zu interpretieren. Die Empörung
des klerikalen Establishments gegen den antireligiösen `Sneer´ seiner
History, die in der Indizierung der Kapitel 15 und 16 gipfelten, speist sich mithin aus derselben Quelle wie jene gegen Voltaires
Mahomet. Zuvor hatte allerdings bereits die Renaissance einer
stärker rationalen statt religiösen Sicht der Dinge den Weg geebnet,
die auch den ursprünglichen
`barbaries-humanitas´-Gegensatz35 in seinem säkulären Sinn
latent revitalisierte. Eindrucksvolles Beispiel ideologischer
Nutzanwendung des Barbarenmotivs in dieser modernisierten Form ist
Spensers
View of the Present State of Ireland, die die konsequente
Kolonisierung Irlands propagiert, "to bring them from their delight of
licentious barbarism unto the love of goodness and
civility"36 und dazu einen mit allen abscheulichen
Attributen des heidnischen Halbnomaden -Rechtlosigkeit, Raub, Fehde,
Primitivität- ausgestatteten Iren
zeichnet.37
[...]
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1Der Begriff entlehnt sich selbstverständlich: I.Wallerstein, Das moderne Weltsystem, Frankfurt
1984
2 F.C.Scheibe, Christentum und Kulturverfall im Geschichtsbild Edward Gibbons, in: Archiv für Kulturgeschichte 50/1968, S.242;
* E.Gibbon, Verfall und Untergang des Römischen
Reiches, Nördlingen 1987, Hg. Saunders, S.61;
3 Siehe hierzu erschöpfend: E.Rotter, Abendland und Sarazenen, Berlin 1986;
4
E.Gibbon, History of the Fall and the Decline of the Roman Empire,
London 1961, ed. D.M.Low, Seitenzahlen in Klammern im Haupttext;
5
Hier übernimmt Gibbon den von Locke entwickelten state of
nature-Begriff, der -konstitutiv für das Selbstverständnis der Whigs
und inzwischen zum Allgemeingut der britischen Öffentlich- keit
verbreitert- wie selbstverständlich in sein Modell integriert ist. So
weist er sich als aufgeklärter Engländer und Whig aus und als gelehrtes
Kind seiner Zeit.
6 Gemeint ist Voltaires Versträgödie Mahomet von 1741. Zum größeren Zusammenhang sh. auch Abschnitt 2 der vorliegenden Arbeit;
7
Notwithstanding a vulgar prejudice, the gates of heaven will be open to
both sexes; but Mahomet has not specified the male compa- nions of the
female elect," (673) heißt es ein allgemeines Vorurteil berichtigend
bei Gibbon, dessen Beschreibung der eigent- lichen Inhalte des Islam
schon für sich erstaunlich ausgewogen, komplett und prägnant ausfällt.
Da es hier aber auf Gibbons Darstellung und nicht die Inhalte selbst
ankommt, werden letztere -ebenso wie die ausladenden Details etwa des
Arabienfeldzugs-- getrost als bekannt vorausgesetzt.
8 J.Osterhammel, Europäische Wahrnehmung des Orients, KE 2, FernUni, Hagen 1992, S.69;
9
Zu verstehen im Sinne der Spätaufklärung als durch eine Form demo-
kratischer Selbstgesetzgebung sich konstituierendes Gemeinwesen;
10
Die besagten Kapitel, die sich der Erfolgsgeschichte des
Christentums widmeten, provozierten sofort eine Woge der Ent- rüstung
auf Seiten seiner zeitgenössischen Vertreter in England, die 1783 eine
Indizierung erreichten.
11 In seiner olympischen Perspektive
wirkt sich dies genauso auf die respektvollen, ja lobenden
Schilderungen großer Barbarenpersönlichkeiten aus. Neben Mohammed seien
als -ganz beliebige- Beispiele der tragische Gelimer oder Mohammed II,
endgültiger Zerstörer (Ost-)Roms genannt. Vgl.: Kap.XLI bzw. LXVIII;
*
E.Gibbon, History, Vol.V, S.75 der von C. Dawson 1910 besorgten
Edition/London,NewYork 1980-85, aus der im gesamten Abschnitt 2 zitiert
ist;
12
E.Gibbon, Autobiography, ed. J.B.Bury, London 91978, S.95;
13
Mit der von D.Low berichteten These, wonach Virgils Georgica als Teil
der augustinischen Demilitarisierungspolitik entstanden und direkt an
die unruhigen Bürgerkriegsverteranen adressiert war, beweist Gibbon
schon 21jährig einen bemerkenswerten historischen Spürsinn. Vgl. Low,
S.XVIf.
14 ebd., S.179f.
15 ders., History, Vol.VI, S.569
16 ebd., Vol.V, S.72
17 ebd., S.75f.
18 ders., Autobiography, S.179f.
19 ders., The Miscellaneous Works, ed. J.Murray, London 21814, reprint 1971, Vol.IV,
S.430;
20 Daß er "sehr freimütig die Steinbrüche nennt, aus denen er
sein Material heranführte" (Christ, S.16), läßt sich nur retrospektiv
auf den Prämissen des 20.Jahrhunderts monieren. Zu seiner Zeit konnte
Gibbon darüberhinaus noch Homer und Xenophon als "still my favourite
authors" (Autobiography, S.173) deklamieren, deren Helden- und
Staatsdichtung als Inspiration auch den Historiker des 18.Jahrhunderts
ehrte, nicht
diskreditierte.
21 L.Gossman, The Empire Unpossessed, Cambridge 1981, S.106 -
eine äußerst instruktive Studie, die mit literaturwissenschaftlichen
Instrumenten sehr brauchbare Erträge an den Tag
bringt;
22 J.W.Burrow, Gibbon, Oxford 1985, S.68;
23 D.Saunders in: Gibbon, Verfall , Nördlingen 1987,
S.XXIV;
24 K.Christ, Von Gibbon zu Rostovtzeff, Darmstadt 1972,
S.17;
25 "He presents himself as a `modern historian´ committed to
the principles of historical criticism elaborated by the generatin of
Pierre Bayle," analysiert Gossman (S.87) sehr treffend die Verbindung
zum Autor des 1697 erschienenen Dictionnaire Historique Et
Critique.
26 "Diese furchtbare Umwälzung läßt sich mit Nutzen zur
Belehrung des gegenwärtigen Jahrhunderts anwenden. Es ist die Pflicht
des Patrioten...Ein Philosoph aber darf seine Blicke erweitern und
Europa als eine große Republik betrachten."(Gibbon, Verfall,
S.559)
27 Den langen Prozeß einer methodischen und theoretischen
Grundsteinlegung moderner Geschichtswissenschaft beschreibt in seinen
Anfängen gegen Ende des 18.Jahrhunderts anhand Adam Smiths `Theoretical
History´ : H.Medick, Naturzustand und Naturgeschichte, Göttingen
1981;
28 H.Bond, The Literary Art of Edward Gibbon, Oxford 1960,
S.160:
29 Zit.n. J.Osterhammel, Europ. Wahrnehmung, KE II,
S.65
30 Der volle Titel lautet denn auch "Le Fanatisme ou Mahomet le Prophète"
31 Dennoch hat der alte Orient auch bei Gibbon seine Abdrücke
hin- terlassen: z.B. die Bärte, die er als wichtiges Merkmal der Araber
(auch typographisch) hervorhebt. Die Langlebigkeit des Klischees
erweist sich auch anhand der in der deutschen Redensart "beim Barte des
Propheten" eingeschlossenen Assoziation mit Arabien. Beckfords
Rezeption -und dessen Person- verabscheute Gibbon dagegen
heftig.
32 "Die großen europäischen und insbesondere britischen
Eroberungen seit 1757 brachten neue Aufgaben mit sich...mußte die
Vorstellung allgemeiner, vor allem aber moralischer Überlegenheit
begünsti- gen." J.Fisch, Der märchenhafte Orient, in: Saeculum 35/1984,
S.262
33 E.Gibbon, History, Vol.VI, S.417;
34 D.Saunders in: Gibbon, Verfall, S.XXV;
35 So bei Jean Bodin, dessen Methodus ad facilem historiarum
cognitionem 1566 das Studium der Geschichte nach menschlichen,
natürlichen und göttlichen Dingen getrennt durchzuführen
lehrte;
36 E.Spenser, A View of the Present State of Ireland, ed.
W.L.Renwick, Oxford 1970, S.11; vgl. auch C.Uhlig, Spensers iri- sche
Barbaren, in: A.Buck, Ende der Renaissance, Wiesbaden 1987,
S.135-55;
37 Vgl. hierzu auch: R.G.Asch, Kulturelle Grenzen Europas in der Neuzeit, FernUni, Hagen 1995, KE II,
Kap.3;
[...]
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J.B.Wolf - Barbary Coast, New York 1979
Copyright by Jürgen
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